German PEN Centre condemns confiscation of books at the Havana International Book Fair


Pressemitteilung, Darmstadt, 24. Februar 2017

Deutscher PEN protestiert gegen Beschlagnahme von Büchern des Ch. Links Verlags auf der Internationalen Buchmesse in Havanna

Kubanische Behörden haben Bücher des Berliner Ch. Links Verlags auf der Internationalen Buchmesse in Havanna beschlagnahmt. Die Bücher seien aus dem deutschen Gemeinschaftsstand entfernt worden, teilte der Ch. Links Verlag am Mittwoch mit. Es habe sich um Titel gehandelt, die sich ganz oder teilweise mit Kuba befassen. Die Frankfurter Buchmesse, die den Stand organisiert hatte, bestätigte den Vorgang. Zwei Personen hätten auf der Buchmesse (9. bis 19. Februar) die Bände mitgenommen. Sollte es sich um Zensur handeln, werde die Messe protestieren, sagte Sprecherin Katja Böhne.

Bei den beschlagnahmten Titeln handelt es sich um den aktuellen Band von Hannes Bahrmann «Abschied vom Mythos – Sechs Jahrzehnte kubanische Revolution», der von der Bundeszentrale für politische Bildung angekauft wurde. Auch das Lesebuch «Revolutionen» mit einem Aufsatz des ehemaligen deutschen Botschafters in Havanna Bernd Wulffen wurde mitgenommen. Entfernt wurden des Weiteren die Anthologien «Oh Du, geliebter Führer: Personenkult im 20. und 21. Jahrhundert» sowie «Ostalgie international – Erinnerungen an die DDR von Nicaragua bis Vietnam».

Das Vorgehen erinnere an die Stasi-Zensurpraxis, erklärte Verleger Christoph Links, selbst Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Auf der Leipziger Buchmesse sei die DDR ähnlich mit unliebsamen Büchern aus der Bundesrepublik umgegangen. Das Vorgehen Kubas zeuge nicht von politischer Öffnung oder gar Liberalisierung im Land.

„Wir unterstützen die Forderung unseres Mitglieds Christoph Links nach deutlichem Protest seitens der Frankfurter Buchmesse und anderer Institutionen sowie nach entsprechenden politischen Konsequenzen“, sagte Regula Venske, Generalsekretärin des PEN-Zentrums Deutschland. „Die Auswahl der beschlagnahmten Bücher lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um einen Akt der Zensur handelt. Demgegenüber gilt es weiterhin, die Bedeutung des Rechts auf freie Meinungsäußerung und Informationsfreiheit in allen Kontakten mit kubanischen Behörden und Regierungsvertretern hervorzuheben.“

Für das PEN-Zentrum Deutschland

Felix Hille

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet. Schnell hat er sich über die Länder der Erde ausgebreitet und sich als Anwalt des freien Wortes etabliert – er gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.